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Herr Rottmann auf dem Bauspielplatz, Jugendliche im Hintergrund verschwommen
Christian Rottmann auf dem Bauspielplatz

Kooperation 301

Im Zentrum von Winterhude liegt in der Opitzstraße eine Wohnunterkunft von „fördern & wohnen“. Die Einrichtung, in Trägerschaft der Freien und Hansestadt Hamburg, bietet vor allem Zuwanderer- und Flüchtlingsfamilien ein vorübergehendes Zuhause, die durch physische oder psychische Erkrankungen einzelner oder mehrerer Familienangehörigen belastet sind.

Die Bewohner kommen überwiegend aus Afghanistan, Libyen, Ägypten, dem Libanon, Russland oder aus dem ehemaligen Jugoslawien. 330 Menschen leben zurzeit in der Wohnunterkunft, davon ca. 200 Kinder und Jugendliche. Die Familien sollen in der Wohnunterkunft für eine begrenzte Zeit untergebracht und – je nach Duldung und Aufenthaltsstatus – weiter vermittelt werden. In der Praxis liegt die Verweildauer der Familien zwischen 3 Monaten und 10 Jahren. In Kooperation mit „fördern & wohnen“ führt der Arbeiter-Samariter-Bund in der Wohnunterkunft eine Kita, die Kita Opitzstraße.

Anlass der Kooperation war der Umstand, dass fast ausschließlich Kinder aus den Familien der Wohnunterkunft in die Kita kamen – rund 75 %. Der hohe Migrationsanteil führte dazu, dass die Kita bei den Eltern der Nachbarschaft nicht zu den für das eigene Kind ausgewählten Kitas gehörte. In der Kita selbst erschwerte der hohe Migrationsanteil den Erwerb der deutschen Sprache. Die sprachliche Segregation nahm zu statt ab, die Kinder erlebten verstärkt nur eigene Defizite und nicht eigene Stärken und Fähigkeiten.
Die Kita sah sich überfordert, nachbarschaftliche Netzwerke zu umliegenden Einrichtungen und Institutionen aufzubauen. Auch die Zusammenarbeit mit der Wohnunterkunft wurde als begrenzt erlebt. Hinzu kam, dass weitere Einrichtungen des Quartiers über eine ähnliche, die Ausgrenzung verschärfende Problemlage berichteten. Auch auf dem Bauspielplatz Poßmoorwiese und in der Goldbek-Schule blieben die Kinder der Wohnunterkunft zum Lernen sowie nachmittags zum Spielen unter sich.

Q8 fasste die Erfahrungen der Einrichtungen zusammen und berichtete während der Netzwerktreffen der ‘Winterhuder Bildungsgespräche‘ über das Ausmaß des Brennpunktes. Schnell wurde klar – gemeinsam sollte etwas für eine gelingende Integration getan werden. Die Geburtsstunde der Kooperation 301. Heute, vier Jahre später, wird kontinuierlich an inklusionsfördernden Prozessen rund um die Kita-Opitzstraße gearbeitet, mit großer Strahlkraft ins Quartier.

Teilnehmende Einrichtungen (Stand Herbst 2017)

Ziele und gemeinsame Projekte – woran arbeitet die Kooperation konkret?

Die genannten Einrichtungen im Umfeld der Wohnunterkunft entwickeln Handlungsspielräume, die zum Abbau der geschilderten Ausgrenzungsprozesse beitragen und zu einer sozialverträglichen Stabilisierung und Verbesserung der Lebenslagen der BewohnerInnen der Wohnunterkunft führen sollen.
Regelmäßig finden Vorschultreffen auf dem Bauspielplatz Poßmoorwiese statt. Hier lernen sich nicht nur die Kinder kennen, die künftig in der ersten Klasse der Goldbek-Schule zusammen kommen werden, hier kommen ErzieherInnen, SozialpädagogInnen und LehrerInnen der unterschiedlichen Einrichtungen zusammen, lernen unterschiedliche pädagogische Konzepte kennen und gestalten gemeinsam biographische Übergänge. Die umliegende Kitas halten Notfallplätze für die Kinder der Kita Opitzstraße vor. So liegt der Migrationsanteil der Kita Opitzstraße aktuell unter 50 %. Gemeinsame Sommerfeste werden gefeiert, das Goldbekhaus und die Kirchengemeinde unterstützen mit Ferienkurse und kulturellen Angeboten, manchmal finanziellen Mitteln die Kooperation.

Materialien zum Downloaden